palmen insel stocksnap

Wenn sich Reisende ein Label geben

Nach dem Abi habe ich angefangen zu studieren. Irgendwann davor schwebte luftig im Raum, ob ich wohl ein Auslandsjahr in Neuseeland machen könnte. Diesen Plan habe ich aber über den Haufen geworfen und seitdem auch noch nie sesshaft in einem anderen Land gelebt.

Heute möchte ich über eine Debatte reden, wenn man sie so nennen kann. Bei dieser Debatte wollen sich Reisende voneinander abgrenzen:

Traveller vs. Tourist

Kommt sie euch bekannt vor? Es geht darum, dass sich „echte“ Reisende (Traveller) von „Gelegenheits“-Reisenden (Touristen) abgrenzen wollen. Ausgerechnet die Menschen, die eigentlich zu den offeneren, toleranteren gehören möchten, sortieren in Schubladen und vergeben ein Label. Das kann man nun natürlich nicht allen per se unterstellen, das möchte ich auch gar nicht. Ich möchte nur noch einmal daran erinnern, dass man stets einmal einen Blick über den Tellerand wagen sollte. Um zu sehen, wo die „Touris“ eigentlich stehen.

Ich finde es schade, den „Touris“ einfach so weniger Wert zuzuschreiben. Weniger Interesse an fremden Kulturen, weniger Gefühl für das Land, weniger Feingefühl im Umgang mit den Einheimischen. Vielleicht ist ein Pauschalurlaub nicht dasselbe wie eine monatelange Backpacker-Tour. Aber nur weil man zum Beispiel einen festen Job und nicht das ganze Jahr Zeit hat, in der Weltgeschichte herumzureisen, heißt das meiner Meinung nach nicht von vornherein, dass man sich weniger mit seinem Reiseziel auseinander setzt.

palmen insel stocksnap

Warum machen diese Unterscheidung ausgerechnet die, die das Reisen und den internationalen Austausch fördern wollen? Ich meine, na gut, einwöchiger Pauschalurlaub in dem-und-dem Land, aber das heißt ja nicht, dass ich mich nicht für dieses Land interessiere, keinen Sprachkurs gemacht habe oder keine Einheimischen kennen lerne. Ich finde es nicht schlimm, ein Tourist zu sein, und eben nur für eine etwa zwei-wöchige Zeitspanne in einem anderen Land zu Besuch zu sein. Mich stört es erst, wenn einem als Tourist eben ein solches Label aufgedrückt wird. Wenn man es eben (noch) nicht gewagt hat, einen Auslandsaufenthalt zu machen, und einem das vorgehalten wird.

First World Problems?

Klar interessiere ich mich dafür, auch einmal im Ausland zu leben. Aber ich muss auch sagen, dass ich das gerade noch nicht fest eingeplant habe. Ich erlebe gerade das bereichernde Gefühl, Wurzeln zu schlagen, und so passt ein Auslandaufenthalt nun einmal gerade nicht in meinen drei-Jahres-Plan. Ich freue mich momentan darüber, wenn andere ein Erasmus-Semester (oder zwei) machen und diese Erfahrungen gönne ich allen von ganzem Herzen. Bloß meins ist gerade hier, und solange das noch so ist, ‚beschränkt‘ sich meine Auslandserfahrung nun einmal auf ein paar Wochen Urlaub im Jahr. Diese kann ich genauso genießen und mit allen Sinnen erfahren. Ich finde, die Eigenschaften von diesem Label als „Touri“ stehen mir nicht.

Und um noch ein paar Worte zur aktuellen Thematik zu sagen! Bei der geht es darum, dass „echte“ Reisende auch unbedingt eine Fernreise machen müssen, weil nähere Ziele ja so unspektakulär seien… Bitte denkt einmal darüber nach, dass sich vielleicht nicht jeder eine Fernreise traut, zum Beispiel weil es an einer passenden Reisebegleitung fehlt. Oder sich ein solches Unterfangen leisten kann. Nur weil ein Land zufällig in Europa liegt und nicht auf der anderen Seite der Welt, ist es doch nicht uninteressanter oder weniger besonders. Klar möchte ich auch unglaublich gern einmal nach Singapur. Aber wer möchte mit? (:


Bildquelle: stocksnap.io


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2 Gedanken zu “Wenn sich Reisende ein Label geben

  1. Danke für diesen Bericht! Ich hatte von solch einer Debatte noch nichts gehört und bin ehrlich entsetzt! In was für einer Welt leben wir, dass wir die schönste Zeit des Jahres in „richtig“ und „falsch“, „gut“ und „schlecht“ einteilen müssen?
    Ich verreise zu 90% mit dem Wohnwagen, gerne auch spontan und innerhalb Europas, da die Hunde immer dabei sind und ich ihnen auf gar keinen Fall einen Flug zumuten möchte. Durch’s geocachen komme ich an Orte, die in keinem Reiseführer stehen und ich lasse jede andere Sehenswürdigkeit links liegen, wenn es irgendwo einen Lost Place zu entdecken gibt.
    Ich liebe es, Ausflüge in die nähere Umgebung zu machen und Burgruinen zu durchstreifen. Und ich fahre gerne auch dreimal pro Jahr in meine Lieblingsstadt Hamburg.
    In welche Kategorie gehöre ich also nun??? Ich habe mir nie darüber Gedanken gemacht und werde es auch jetzt nicht machen, denn mal ehrlich: Menschen, die so ein Schubladendenken praktizieren, haben doch den totalen Sockenschuss!
    Lass‘ Dir den Spaß am Reisen nie verderben!

    Herzliche Grüße von Kerstin

    1. Hallo Kerstin, vielen Dank für deine leidenschaftliche Antwort 😉 Ich finde, Reisende wie du und auch sonst alle müssen sich überhaupt kein Label geben 😀 Am Reisen finde ich nur wichtig, dass man sich umfassend mit dem Ort befasst, in dem man gerade ist. 🙂 Liebe Grüße, Jean

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