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Bleib‘ so wunderbar, Berlin.

Ich möchte etwas schreiben, und mir fehlen die Worte. Was in Nizza passiert ist, ist mir schon nah gegangen. Und nun ist dasselbe in Berlin passiert.

Das Jahr hat begonnen mit den Geschehnissen der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Städten und muss enden mit einem Terrorattentat in unserer Hauptstadt. Ich finde das unglaublich schmerzlich ─ nicht nur die Ereignisse selbst, sondern auch, wie sich dadurch Gesellschaftsgruppen abspalten und die neue rechte Partei wählen gehen.

Und dieses Jahr lief noch mehr gewaltig schief, weltweit: Die Wahl zum Brexit, die Wahl von Trump, und die Wahlen in Österreich, bei denen es beinahe 50:50 für die Wahl eines Rechten zum Bundespräsidenten ausgegangen ist.

Warum gibt es solche krassen Spaltungen in unseren Meinungen und warum können wir sie nicht überwinden und schlichten?

Von der Filterblase wusste ich schon bevor diese Idee durch den Nachrichten nach Brexit, Trump & Co. aufgegriffen wurde. Noch interessanter fand ich jedoch das Video von Jonathan Pie (über die Qualität lässt sich streiten), in dem er sagt, dass wir aufgehört haben zu diskutieren. Damit meinte er nicht den politischen Exkurs, sondern auch die Diskussionen im Privaten.

Und holy shit, ist mir da ein Licht aufgegangen. Plötzlich habe ich verstanden, was er meint, und wie wahr das ist! Ich denke daran, wie oft man anderen eben nicht sagt, dass man etwas anders sieht. Dass man die Diskussion im Alltag eher unterlässt, als auch vor seinem engeren Umfeld einmal andere zurechtzuweisen (das kann ja trotzdem fair und kollegial geschehen). Wie oft ich, wenn ich Menschen treffe oder besser kennenlerne, einfach gehe oder die Aussagen auf sich beruhen lasse. Denn Fakt ist: Wenn ich Menschen treffe, die, sagen wir einmal gelinde, nicht annähernd dieselbe Auffassung von political correctness verkörpern sondern in Stereotypen denken, in Rollen über Herkunft, Geschlecht und Körperbau, dann schließe ich sie eher einfach aus, als mit ihnen darüber zu reden. Online genauso: Wenn ich eine homophobe, ausländer- oder frauenfeindlichen Beitrag in einem Social Media sehe, würde ich die „Liker“ oder „Teiler“ eher aus meiner Kontaktliste entfernen als sie anzuschreiben. Ich würde eher den Kontakt abbrechen, weil ich mir denke, dass es sich nicht lohnt, auf verlorenem Posten zu kämpfen.

Und was soll man da auch tun?

Ich bin einfach zur Erkenntnis gekommen:

Alle Chancen für einen Austausch nutzen! Eigentlich würde ich mich kaum als jemand bezeichnen, die nicht ihre Meinung sagt. Ich möchte aber unbedingt besser darin werden, das in meinem weiteren, breiteren Bekanntenkreis noch zu verstärken. Meistens sind es bei mir die lockeren Bekannten, bei denen ich ‚mich selbst‘ nicht so gebe. Aber ich habe mittlerweile das Gefühl, dass genau dadurch Wellen geschlagen würden. Damit meine ich eben genau, dass ich wenn das Gespräch auf eine Aussage kommt, die ich nicht unterstütze, ich mir meinen Teil dazu einfach nicht mehr nur denke.

Und für das dementsprechende Verhalten online denke ich inzwischen, dass ich viel öfter Artikel oder Beiträge teilen möchte, die ich in meinem eigenen Feed bekomme und die ich gut finde oder etwas dazu sagen will. Das mache ich jetzt schon eine Weile so. Davor dachte ich immer, dass ich Facebook sowieso nicht sonderlich toll finde, und dass es anderen bestimmt genauso geht. Aber die Dinge, die ich in meiner Filterblase angezeigt bekomme, finde ich einfach gut, also warum nicht verbreiten? Und in letzter Zeit bekomme ich (online) generell viel mehr Meinungen von Leuten mit, was ich einfach bereichernd finde. Und da es sehr viele gibt, die Facebook viel exzessiver nutzen als ich (; denke ich mir, dass es vielleicht sogar etwas bringt.

Ich möchte einfach noch ein paar Dinge weiterempfehlen, die mir in letzter Zeit sehr geholfen haben. Allen voran finde ich die Accounts von der tagesschau auf Facebook und Instagram einfach unglaublich gut. Wie diese Informationen aufbereiten ist ein Träumchen und wenn man sie beispielsweise auf Instagram abonniert hat, bleibt man einfach richtig gut auf dem Laufenden. Außerdem ist ihre Berichterstattung aus journalistischer Sicht meiner Meinung nach einfach genau so, wie sie überall sein sollte. Sozusagen die perfekte Erfüllung der Königsdisziplin.

Und aus aktuellem Anlass kann ich die 52. Ausgabe des Spiegel einfach nur wärmstens empfehlen. In vielen Artikeln steht genau das, was ich denke.

Zum Beispiel, dass wir uns nicht einschüchtern lassen sollen für unsere Werte, für unsere Integrität. Dass wir nicht in Angststarre und Panik verfallen dürfen und die Rechten wählen gehen. Dass wir immer noch mit Offenheit oder Neugier und vor allem Toleranz auf andere, neue Menschen zugehen sollten.

Das habe ich glücklicherweise auch noch in vielen anderen Medien gelesen. Und ich wünsche mir einfach, dass es ganz vielen, die das lesen, auch so geht und dass sie wissen, dass es Leute gibt, die genau dieser Meinung sind.

Das, was in Berlin passiert ist, darf nicht das Ziel haben, dass sich unser Miteinander wieder einengt. Dass sich unsere Gesellschaft wieder gegenüber Andersartigkeit abschottet, statt für einen konstruktiven Austausch zu öffnen.

Und was denkt ihr?

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